Warum kostet ein Einbauschrank dreimal so viel wie einer aus dem Katalog?

Author:
Bence Solti

Ist dir das schon einmal passiert: Du hast einen IKEA-Schrank bestellt, den du selbst zusammenbauen musstest? Und als du die Schraube angezogen hast, ist sie ausgerissen. Oder die Kante einer Platte war schon in der Verpackung abgestoßen. Oder als du die Schraube angezogen hast, ist die Spanplatte plötzlich aufgeplatzt.
Wenn ja, dann hattest du die Antwort schon in der Hand, worin der Unterschied zwischen einem Schrank für 1.500 und einem für 10.000 Euro liegt. Du hast damals nur nicht daran gedacht.
Bei einer Einbauschrankwand bezahlst du eigentlich zwei Dinge: das Material und die menschliche Arbeit. Schauen wir uns beide ehrlich an.
Das Material und der Spanplatten-Mythos
Das Häufigste, was ich höre: „Schon, aber das Material ist doch dasselbe, der Korpus ist überall aus Spanplatte." Ein Irrtum.
Nimm eine Schraube und dreh sie in eine billige Spanplatte. Sie dreht durch. Sie hat nichts, woran sie sich festhalten kann, weil die Platte leicht und schwach ist. Jetzt mach dasselbe mit einer guten Spanplatte: Du spürst, dass ein Widerstand da ist. Die Schraube fährt nicht einfach hinein wie ein Messer durch Butter, das Material hält stand.
In einem Großbetrieb kommt Ausschuss ganz selbstverständlich vor. Der Qualitätsprüfer kann nicht jedes einzelne Teil in die Hand nehmen, das ist physisch unmöglich, täglich laufen mehrere Tausend Stück durch. In einer Tischlerei dagegen fasst der Tischler jedes einzelne Teil an. Nicht, weil er gerade die Qualität prüft, sondern weil er muss: Er baut deine Möbel mit den eigenen Händen zusammen. Wenn etwas nicht gut ist, entscheidet sich das dort und nicht bei dir zu Hause.
Die Arbeit und warum Massenware billig ist
Massengefertigte Möbel sind deshalb billig, weil fast alle ihre Teile in großer Menge, vorgefertigt, im Lager liegen. Und wir wissen: Was in großer Menge läuft, ist im Stückpreis immer günstiger.
Mit den Materialien ist es genauso. Heute kann jeder alles kaufen. Ich kann Granit aus China und Brasilien bestellen, und allein in meiner Umgebung, im Umkreis von 100 Kilometern, können mindestens hundert weitere Leute genau dasselbe. Die Frage ist nie, wer was kaufen kann, sondern zu welchem Preis. Wer viel kauft, kauft günstiger. Deshalb wird eine kleine Firma immer teurer sein als jemand, der in großen Mengen produziert. Das ist kein Trick, das ist Mathematik.
Warum es nie genau passt
Damit die großen Firmen gute Herstellungskosten haben, brauchen sie gleiche Teile. Deshalb denken sie in einigen wenigen Standardmaßen. Und da liegt der Haken: Dieses Standardmaß wird ziemlich sicher nicht das sein, das bei dir genau passt.
Du musst entscheiden, ob du damit leben kannst, dass die Oberseite des Schranks verstaubt, weil er nicht bis zur Decke reicht. Dass er nicht von Wand zu Wand geht. Entweder gefällt dir das oder nicht. Wenn du ein fehlerhaftes Teil bekommst, musst du dich selbst darum kümmern, dass es getauscht wird. Sie tauschen es natürlich, denn ein unzufriedener Kunde ist für sie teurer als ein Regalboden für 30 Cent. Aber die Lauferei bleibt an dir hängen. Wenn sich ein Regalboden durchbiegt, wenn die Fuge der Front nicht stimmt, stellst auch das du selbst ein.
Du bist kein Durchschnitt
Wenn du langfristig denkst, brauchst du nicht die Lösung, die für den Durchschnitt von hundert Leuten funktioniert. Du brauchst die, die für dich gut ist.
Ein Online-Möbelkonfigurator gibt eine Lösung für das Problem von jedem. Aber für deins? Wie sollten meine Bedürfnisse dieselben sein wie die von irgendjemand anderem? Wir sind nicht gleich. Wenn du aber fachgerecht erklärst, wie du ihn benutzen wirst und was du dir wünschst, dann kann dir ein Fachmann genau sagen, was du wirklich brauchst, damit es langfristig gut ist.
Und wann solltest du trotzdem IKEA nehmen?
Ich bin ehrlich: Kauf den IKEA-Schrank, wenn du Student bist. Wenn du dir deine Zukunft nicht an einem festen Ort vorstellst. Wenn nicht einmal du selbst in der Wohnung wohnst, in die das Möbel kommt. Wenn du keine besonderen Ansprüche hast und auch deine ästhetischen Ansprüche nicht groß sind.
Aber nicht, weil der IKEA-Schrank hässlich wäre, das ist er nicht. Sondern weil er nicht eingebaut ist. Weil er nicht aus diesem Material ist. Weil die Lampe ihn nicht so beleuchtet. Weil der Kontext, der ihn umgibt, nicht stimmt. In einer weißen Umgebung, im Laden, wird er perfekt aussehen. In deiner Wohnung nicht unbedingt.
So viel zum Unterschied zwischen 1.500 und 10.000 Euro. Nicht das Logo auf der Front, sondern für wen er gemacht wurde.
Ich habe die informelle „du"-Form durchgehend beibehalten, wie im ungarischen Original. Sag Bescheid, wenn du lieber die formelle „Sie"-Form möchtest.
